IAD

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Begriff


Wem dieser Artikel zu lang ist lese zumindest die Ebay Warnung zum Thema IAD.

IAD steht für Integrated Access Device (deutsch: integriertes Zugriffsgerät) und wird in dieser schlechten Wikipedia Seite verharmlosend umschrieben als handele es sich um eine FRITZ!Box Fon. In der heutigen Realität steht dieses Wort oft für weitaus gruseligeres, nämlich die auf einen Provider und seine Geschäftsinteressen zurechtgeschnittene Verkrüppelung eines Routers. Oft werden hierbei existierende Hardwareteile und Betriebssystemfunktionen unbrauchbar gemacht, Benutzerschnittstellen reduziert oder gar entfernt und Providerabhängigkeit fest in das Gerät eingebaut. Man kann durchaus sagen, dass es keinen grösseren Router-Edelschrott-Produzenten gibt als diese IAD Verschwörungsgeräte.

Wer macht sowas?

Besonders ist dabei Alice aufgefallen, eine Marke der Telecom Italia, in Deutschland genutzt durch die hamburger Firma Hansenet, ein Tochterunternehmen der Telefónica O₂Germany, die wiederum eine Tochterfirma der Telefónica Europe ist, welche letztendlich eine Tochterfirma des bekannten spanischen Giganten Telefónica ist, in Europa als O₂ bekannt. Kompliziert!

HanseNet liess eine ganze Reihe von Geräten sonderanfertigen, die teilweise "nicht zur Veränderung der Konfiguration durch den Kunden" bestimmt waren. Oft wurde die Routerfunktion aus dem Gerät entfernt, so dass der Kunde sich einen Router neben sein IAD-Kastrat stellen musste, obwohl dies mit 4 LAN Anschlüssen und Switch-Chip versehen war. Manchmal wurden hardwareseitig vorhandene Telefonanschlüsse teilweise unbrauchbar gemacht und das Webinterface ganz entfernt. Die Geräte kamen oft von der deutschen Firma Sphairon, auf die schon öfters die Aufmerksamkeit von GPL-Schützern fiel, vor allem wegen mangelhafter Handhabung der GPL-Verplichtung, den Quelltext in aktueller Version offen zu legen (wurde schliesslich erfüllt).

Detailinformation zu dieser IAD-Serie findet man auf gpl-devices.org und im privat geführten Alice-Wiki.


Auch AVM fertigte IAD für HanseNet (Achtung - Hansenet Alice nicht verwechseln mit der AVM Software Alice). Ein Service-Portal, Firmware, Quelltext oder den obligatorischen Hinweis auf die GPL-Lizenz zu diesen FRITZ!Box-Kastraten sucht man auf AVM-, Alice- oder HanseNet Servern vergebens.


Freenet lieferte auch eine Zeit lang IAD Router von Samsung - durchaus gute Geräte (16MB Flash, 64MB RAM, 235MHz Infineon Amazon CPU), wären es nicht IAD. Bei diesen Routern wurde jedoch der Funktionsumfang kaum eingeschränkt, lediglich Freenet-Gebundenheit wurde für einige Funktionen fest eingebaut. Obwohl später Firmware mit der Einstellmöglichkeit "anderer Anbierter" (V3.xx) nachgeliefert wurde, funktionierte dies nie ganz, da bei einigen Diensten die Freenet-Gebundenheit nichtkonfigurierbar fest einprogrammiert ist. Wer einen solchen Router, dessen technische Daten wirklich gut klingen, billig bei Ebay erstand, war mehr als gelackmeiert. Siehe diese Ebay Warnung zum Thema IAD-Router.

Detailinformation zu dieser IAD-Serie findet man auf gpl-devices.org

... und viele weitere Anbieter...

Warum macht man sowas?

Der Providerlock bei den Freenet Samsung Geräten ist nichts ungewöhnliches, sowas kennt man auch von Mobiltelefonen. Der Anbieter sponsort ein Gerät, das sich erst amortisiert, wenn man lange genug den Anbieter beibehält. Solange man das tut, funktionieren die Gerät auch einwandfrei und man ahnt gar nichts von Funktionseinschränkungen. Der Anbieter hat den Vorteil, viel voreingestellt zu haben, was dem Kunden Fehlbedienung erschwert und zu Einsparungen beim Service führt. Letzendlich bekam man einen echten Router, der leistungsfähiger ist als eine 7170, solange man bei Freenet blieb.

Bei Hansenet sieht das ganz anders aus. Nach Analyse ihrer Turbolink IAD Geräte ist klar, dass es um die totale Kontrolle über das Endgerät geht, was einleuchtet, wenn man statt Modem, Router oder IAD das zutreffendere Wort "Netzabschlussgerät" verwendet. Es handelt sich letzendlich um in die Wohnung verlagerte Netzwerkarchitektur des Providers, die Buchse für Buchse einzeln gemietet werden muss, bis hin zur WLAN Option. Glaubte man zuerst man hätte Hardware vom Anbieter bekommen über die man frei verfügen kann, wurde man schnell eines Besseren belehrt. Letzendlich hat fast jeder neben diesen Geräten ein Zweites stehen, das die Funktionen ersetzt, die das Erste verwährt (typisches Beispiel mit leicht chaotischer Topologie: fritzbox-7050-hinter-iad-5130).

Es sollte auch erwähnt werden, dass die Turbolink IAD lediglich Leihgeräte waren, also Firmeneigentum. Solche anderweitig unbrauchbaren Geräte werden vermutlich seltener Opfer von Diebstahl. Die Realität zeigte aber, dass die Turbolink IAD dennoch haufenweise auf dem Sperrmüll oder bei Ebay landeten, was sehr bedenklich ist, da die in ihnen enthaltenen Zugangsdaten und Anruflisten auch per Werksreset nicht löschbar sind (!!!). Diese Geräte rotieren in einem unablässigen Turbolister-Strom durch die Bucht und werden fast immer als Router oder Modem fehldeklariert; letztendlich sind sie jenseits ihres direkten Bestimmungszwecks Sondermüll.

Fazit

Man sollte jeden Provider meiden, dessen Zugangstechnik unsinnigen Stromverbrauch und sinnlose Materialvergeudung erzeugt und dessen Netze nicht in jeder Vertragsform mit Standardhardware kompatibel sind. Andere Anbieter kriegen das hin. Auch wenn Telefonica der Besitzer dieser Firmen ist - die haben diesen Irrsinn nicht verzapft, sondern nur zugekauft. Konnte man bisher über den Markennamen Alice die Warnglocken läuten lassen, so verwischt sich diese Möglichkeit bald auch im O2-Dschungel - siehe den Artikel auf golem.de. Ein universelles Warnzeichen ist und bleibt im Jahre 2010 immer noch ein DSL-Modem angedreht zu bekommen, und dass Hardware nur für die Vertragsdauer kostenlos zur Verfügung gestellt wird (also geliehenes Firmeneigentum bleibt). Diese Warnung betrifft leider auch millionen AOL Kunden in Deutschland. Wollen wir hoffen, dass das IAD-gebaren im Jeder-Kauft-Jeden-Sumpf untergeht und nicht weiter eskaliert.


--Hippie2000 14:47, 28 June 2010 (CEST)